SCOPE-D
Akronym
Forschungsfrage
Die vom BMFTR ab 1. April 2026 geförderte Studie mit dem Akronym SCOPE-D zielt darauf ab, die hausärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten mit unipolarer Depression in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Im Mittelpunkt steht die Umsetzung der Nationalen Versorgungsleitlinie Unipolare Depression sowie die gezielte Stärkung der hausärztlichen psychosomatischen Grundversorgung. Ergänzend wird untersucht, welchen zusätzlichen Nutzen die systematische Integration des Online-Selbsthilfeprogramms „deprexis“ für die Behandlung von Depressionen im hausärztlichen Setting bietet.
Studiendesign und Patientengruppe
Die Studie ist als prospektive, cluster-randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie angelegt. Insgesamt nehmen 60 hausärztliche Praxen teil, die nach dem Zufallsprinzip zwei Studienarmen zugeordnet werden (Interventions- und Kontrollgruppe). In die Studie werden insgesamt 600 erwachsene Patientinnen und Patienten mit einer diagnostizierten leichten, mittelgradigen oder schweren unipolaren Depression eingeschlossen, sodass pro Studienarm jeweils etwa 300 Teilnehmende betreut werden.
Methode und Durchführung
Alle teilnehmenden Hausärztinnen und Hausärzte erhalten zu Beginn der Studie eine strukturierte, leitlinienorientierte Schulung zur Diagnostik und Behandlung depressiver Erkrankungen. Ziel dieser Schulung ist es, die Umsetzung der evidenzbasierten Empfehlungen der Nationalen Versorgungsleitlinie im hausärztlichen Alltag zu fördern und die Qualität der Versorgung zu standardisieren. In beiden Studienarmen erfolgt die Behandlung im Rahmen der hausärztlichen psychosomatischen Grundversorgung (und ggf. weiterer leitliniengerechter Behandlung, je nach Schweregrad der Depression). In der Interventionsgruppe wird diese Versorgung durch den Einsatz des digitalen Selbsthilfeprogramms „deprexis“ ergänzt, welches Patientinnen und Patienten eigenständig nutzen können, eingebunden und supervidiert durch Arzt-Patient-Gespräche in der psychosomatischen Grundversorgung. Die Kontrollgruppe erhält hingegen die psychosomatische Grundversorgung (und ggf. weitere leitliniengerechte Behandlung) ohne „deprexis“.
Outcome und Ziele der Studie
Der primäre Endpunkt der Studie ist der Schweregrad der Depression nach 90 Tagen, gemessen mit dem standardisierten Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9). Auf diese Weise soll überprüft werden, ob die ergänzende Nutzung von „deprexis“ zu einer stärkeren Reduktion depressiver Symptome führt. Zu den sekundären Endpunkten zählen unter anderem die Selbstwirksamkeit der Patientinnen und Patienten sowie weitere gesundheitsbezogene Parameter, die Aufschluss über das allgemeine Wohlbefinden und den Krankheitsverlauf geben.
Darüber hinaus werden Veränderungen in den Versorgungsroutinen innerhalb der teilnehmenden Praxen untersucht. Hierzu werden qualitative Interviews mit den Hausärztinnen und -ärzten durchgeführt sowie Routinedaten aus den Praxen analysiert. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie digitale Selbsthilfeprogramme in den Versorgungsalltag integriert werden können und welche Faktoren die Umsetzung begünstigen oder erschweren.
Ergänzend erfolgt eine gesundheitsökonomische Evaluation, um die Kosten und den potenziellen Nutzen der Intervention im Vergleich zur alleinigen psychosomatischen Grundversorgung zu bewerten. Die Ergebnisse der Studie sollen dazu beitragen, evidenzbasierte Strategien zur Verbesserung der Depressionsversorgung in der hausärztlichen Praxis zu entwickeln und die Integration digitaler Therapieangebote sinnvoll zu unterstützen.
Institutionen und Verantwortliche
Allgemeinmedizinischer koordinierender Universitätsstandort, Verantwortlich
Hannover, Prof. Nils Schneider und PD Dr. Kambiz Afshar
Weitere Universitätsstandorte, Verantwortliche
Göttingen, Prof. Eva Hummers
Greifswald, Prof. Jean Chenot
Hamburg, Prof. Martin Scherer
Oldenburg, Prof. Michael Freitag
Rostock, Prof. Ralf Jendyk
Hannover1 Prof. Christian Krauth
Hamburg2, Prof. Antonia Zapf
1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung – Forschungsschwerpunkt Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik
2 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie
Fördergeber
BMFTR