CARE
Akronym
CARE
Forschungsfrage
Chronische Nierenerkrankungen (Chronic Kidney Disease, CKD) betreffen in Deutschland acht bis zehn Millionen Menschen. Obwohl nur ein vergleichsweise kleiner Anteil der Betroffenen im Verlauf eine Nierenersatztherapie benötigt (etwa 10.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr), ist CKD mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Die Versorgung erfolgt in den meisten Fällen primär hausärztlich.
Vor diesem Hintergrund untersucht die vom BMFTR ab 1. April 2026 geförderte Studie CARE, wie ein risikostratifiziertes Management im hausärztlichen Setting umgesetzt werden kann, und welchen Effekt dies auf den Krankheitsverlauf der Patientinnen und Patienten hat. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in zukünftige Entscheidungshilfen einfließen und zur Verbesserung der Versorgung von CKD-Patientinnen und -Patienten in der Allgemeinmedizin beitragen.
Studiendesign und Patientengruppe
Die Studie ist als kontrollierte, cluster-randomisierte Parallelgruppenstudie konzipiert und wird in 150 hausärztlichen Praxen durchgeführt. Insgesamt werden 5.828 erwachsene Patientinnen und Patienten eingeschlossen, bei denen eine eingeschränkte Nierenfunktion mit einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) von ≤ 60 ml/min vorliegt und die aktuell nicht fachärztlich nephrologisch betreut werden. Ziel ist es, die Versorgung dieser Patientengruppe zu verbessern und gleichzeitig die hausärztliche Entscheidungsfindung zu unterstützen.
Methode und Durchführung
Zu Beginn der Studie werden umfassende Ausgangsdaten erhoben auf deren Basis für jede Patientin und jeden Patienten das individuelle Risiko geschätzt wird, innerhalb der nächsten zwei beziehungsweise fünf Jahre ein Nierenversagen zu entwickeln. Diese Risikoeinschätzung erfolgt mithilfe etablierter Nierenversagens-Risikogleichungen und wird den Patientinnen und Patienten verständlich kommuniziert, um das Krankheitsverständnis und die Therapieadhärenz zu fördern.
Die Hausärztinnen und Hausärzte in der Interventionsgruppe erhalten zusätzlich Feedback. Die Kontrollgruppe erhält hingegen die übliche Versorgung. Alle eingeschlossenen Patientinnen und Patienten werden über einen Zeitraum von 24 Monaten nachbeobachtet, wobei die Entwicklung der Nierenfunktion sowie die in Anspruch genommene Versorgung dokumentiert werden.
Outcome und Ziele der Studie
Der kombinierte primäre klinische Endpunkt der Studie umfasst das Auftreten einer Nierenersatztherapie, das Absinken der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) auf unter 15 ml/min, eine Reduktion der eGFR um mindestens 50 Prozent sowie den Tod infolge von Nieren- oder kardiovaskulären Ursachen. Diese Endpunkte ermöglichen eine umfassende Bewertung des Krankheitsverlaufs und der Wirksamkeit der Intervention. Darüber hinaus wird die Studie zwei verschiedene Diagnosestrategien bewerten und dabei die Point-of-Care-Untersuchung auf Albuminurie mittels Teststreifen mit der aufwändigeren Albumin-Kreatinin-Ratio im Labor vergleichen, bei dem Proben an ein externes Labor geschickt werden müssen. Die Einführung eines zweistufigen Screening-Verfahrens, bei dem nur Patienten mit positivem Teststreifen-Befund einen UACR-Test erhalten, könnte die Durchführung der Albuminurie-Messung erleichtern und sich auf künftige Leitlinienempfehlungen auswirken.
Ein innovativer Bestandteil der Studie ist zudem die automatisierte Übertragung von Medikationsplänen in das Studiendokumentationssystem REDCap. Dieses Verfahren stellt einen wichtigen methodischen Fortschritt dar und kann künftig auch in anderen Studien zur Verbesserung der Datenqualität und Effizienz genutzt werden.
Institutionen und Verantwortliche
Allgemeinmedizinischer koordinierender Universitätsstandort, Verantwortlicher
Greifswald, Prof. Jean-François Chenot
Weitere allgemeinmedizinische Universitätsstandorte, Verantwortliche
Göttingen, Prof. Eva Hummers
Hannover, Prof. Nils Schneider
Hamburg, Prof. Martin Scherer
Oldenburg, Prof. Michael Freitag
Rostock, Prof. Ralf Jendyk
Fördergeber
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)