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14. Nationales Biobanken-Symposium in Berlin: Forschung im hausärztlichen Setting auch für Biobanking relevant

Sandra Wickner Session
Foto: TMF e.V./Volkmar Otto

Am 15. und 16. September 2026 fand in Berlin das 14. Nationale Biobanken-Symposium statt. Unter dem Motto “Biobanking neu denken” trafen sich rund 200 Expert:innen aus der medizinischen Forschung. Auch aus der Initiative Deutscher Forschungspraxennetze DEGAM-ForNet waren Vertreterinnen vor Ort.

Wenn bislang über die Initiative DEGAM-ForNet berichtet wurde, so ging es hauptsächlich um “Forschung aus der Praxis für die Praxis” und somit darum, wie aus dem hausärztlichen Setting die klinische Forschung mit Forschungsdaten unterstützt und somit Erkenntnisse für die Versorgung gewonnen werden können. Eine Zusammenarbeit mit Biobanken, die entweder im Rahmen der klinischen Versorgung oder im Rahmen der Pharmaforschung mit Bioproben für die Forschung beliefert werden, erscheint auf den ersten Blick nicht schlüssig. Doch auch aus diesem Umfeld erwächst der Wunsch, sich nicht nur auf die stationäre Versorgung zu beschränken, sondern den ambulanten Sektor, welcher weit mehr Patientenkontakte aufweist, in die Forschung einzubeziehen.

„Biobanken sind längst nicht mehr ausschließlich Sammlungen hochwertiger biologischer Proben und assoziierter Daten, sondern integrale Bestandteile einer vernetzten, datengetriebenen Forschungslandschaft“, berichtete Dr. Ronny Baber, Tagungspräsident des 14. Nationalen Biobanken-Symposiums und Leiter der Leipzig Medical Biobank. Mit der neuen “Biobank-Plattform für Deutschland”, die im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) als bundesweite Forschungsinfrastruktur entsteht, werden die deutschen Biobanken, ähnlich wie die Institute für Allgemeinmedizin im DEGAM-ForNet, miteinander vernetzt und gemeinsam forschungsfähig gemacht.
Die Reutlinger Kollegen der Koordinierungsstelle für die Initiative DEGAM-ForNet unter der Leitung von Prof. Christian Thies werden grundlegende Herausforderungen an die regionale Vernetzung von Biobanken und hausärztlichen Forschungspraxen identifizieren sowie erste praxisnahe Konzepte entwickeln. Dieses Projekt wird gemeinsam mit der FREEZE-Biobank des Universitätsklinikums Freiburg unter der Leitung von Prof. Alexandra Nieters und der Core Facility Biobank des Universitätsklinikums Tübingen unter der Leitung von Julian Dörenberg realisiert. Dabei kann das, in Baden-Württenberg bereits erfolgreich etablierte, Forschungspraxennetzwerk FoPraNet-BW genutzt werden.

In der Session 7 „Data Integration in Biobanking“ stellte Sandra Wickner, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Reutlingen und Teil der Koordinierungsstelle für die Initiative DEGAM-ForNet, in ihrem Vortrag “Studienmanagement in Forschungspraxen – Potential zur Integration von Daten aus der Niederlassung mit Biobanken” vor, wie bisher Forschungsdaten mit der IT-Infrastruktur der Initiative DEGAM-ForNet erhoben werden können und wie eine Anbindung an Biobanken erfolgen kann.
Im allgemeinmedizinischen Setting ist es möglich, dass Bioproben von Patient:innen schon früh im individuellen Krankheitsverlauf entnommen werden und nicht erst, wenn diese akut in einer Klinik behandelt werden. Die Analyse und Auswertung dieser frühen Daten könnten entscheidende Fortschritte in der Forschung von spezifischen Erkrankungen und deren Behandlung hervorrufen.
Da es bislang keinerlei Forschungsdateninfrastruktur für die Prozessierung von Bioproben gibt, wird zunächst eine Anforderungsanalyse mit den Praxen des FoPraNet-BW durchgeführt. Dabei sollen die Prozesse der Erfassung, Übermittlung und Verwaltung von Bioproben aus hausärztlichen Praxen evaluiert und ein Order-Entry-System entworfen werden, das sich effizient in die bestehende und geplante Vernetzung der Biobanken integrieren lässt. Dazu wird geprüft, inwieweit vorhandene Schnittstellen (z. B. LDT oder HL7) nutzbar sind bzw. welche neuen Konzepte benötigt werden. Ist die anschließende Pilotierung erfolgreich, soll die regionale Vernetzung von Praxen rund um Freiburg und Tübingen zunächst auf das FoPraNet-BW und schließlich auf ganz Deutschland ausgeweitet werden.
Im Forschungsprojekt Target-AF der Universitätsmedizin Göttingen im Forschungspraxennetz Nord (FoPraNet-Nord) wird eine Biobank (Zentrale Biobank der Universitätsmedizin Göttingen) bereits in ein Forschungsprojekt im hausärztlichen Setting eingebunden.

Die Interessen der Biobank-Plattform für Deutschland (BPD) und der Initiative DEGAM-ForNet können daher an dieser Stelle zusammenwirken, um eine passende Lösung für alle Anwender:innen zu entwickeln, die die Bedarfe von Biobank-Plattform und Forschung in der Allgemeinmedizin abdeckt. Mit diesem Konzept wird die sektorenübergreifende Forschung um eine niederschwellige Methode zur Nutzung von Bioproben als relevante Datengrundlage bereichert.