„Primärversorgung braucht Forschung in der Praxis und intersektoral: Rückblick auf das digitale DEGAM-ForNet Symposium mit Beiratssitzung

Beim Symposium „Primärversorgung braucht Forschung in der Praxis und intersektoral“ der Initiative DEGAM-ForNet wurde lebhaft diskutiert, was es braucht, damit die medizinische Versorgung der Zukunft direkt dort verbessert wird, wo sie stattfindet – entlang der Patientenpfade, intersektoral, und insbesondere auch in der Hausarztpraxis. Die Initiative hatte dazu Anfang Februar 2026 sowohl den wissenschaftlichen Beirat als auch die Institutsleitungen und Koordinierenden der 41 Universitätsstandorte eingeladen. Diese bekamen anhand aktueller Forschungsprojekte im hausärztlichen Setting Einblicke in wesentliche Infrastrukturaspekte.
Neues Miteinander in der Forschung
In ihrer Begrüßung zog Prof. Jutta Bleidorn, Sprecherin der Initiative DEGAM-ForNet, ein positives Resümee: „Die vergangenen fünf Jahre haben gezeigt: Die ehemals ´kompetitive Prägung´ in der Forschung weicht einem Ansatz des Miteinanders und der Kooperation. So kommen wir unseren Zielen näher.“ Besonders bei der Entwicklung gemeinsamer Standards und IT-Systeme zeige sich einmal mehr, dass Zusammenarbeit der Schlüssel zum Erfolg ist. Wie eine Vernetzung in der Praxis aussehen kann, verdeutlichten Einblicke in laufende Projekte.
Vernetzung in der Praxis
So stellte Prof. Stefanie Joos (Tübingen) am Beispiel des INDUCT-Projekts (FoPraNet-BW) dar, dass institutsvernetztes Forschen in Beobachtungs- und Interventionsstudien vor allem klare Verantwortlichkeiten, einheitliche Standards und eine gemeinsame Vision erfordert, um tragfähige Kooperationsverträge zu etablieren. Dr. Jörg Haasenritter (Marburg) präsentierte die IMPRO-Studie, die über 300 hausärztliche, radiologische und kardiologische Praxen einbindet. Hier steht die Frage im Fokus, wie Leitlinienempfehlungen effektiv in die Versorgungsrealität implementiert und dort evaluiert werden können. Ergänzend dazu erläuterten Patrick Schmutz und Prof. Christian Thies (Medizininformatik Reutlingen) die Pläne für das CARE-Projekt (FoPraNet-Nord): Ziel ist eine teilautomatisierte Erfassung von Medikamenten- und Labordaten, die durch ein komplexes Zusammenspiel digitaler Softwarekomponenten den Datentransfer von der Praxis zum Universitätsstandort vereinfacht.
Neue Studienformate im Blick
Einen wichtigen Impuls setzte Dr. Michaela Eikermann vom IQWiG mit ihrem Vortrag „Gute Daten für gute Versorgung“. Sie verdeutlichte die Notwendigkeit einer versorgungsnahen, patientenorientierten klinischen Forschung, die relevante Fragestellungen aus der realen Versorgung systematisch aufgreift und sektorübergreifend abbildet. Als dafür besonders geeignete Konzepte erläuterte sie registerbasierte Studien und Plattformstudien. Da gerade solche Formate auf eine wissenschaftlich fundierte und qualitätsgesicherte Basis angewiesen sind, betonte sie die Relevanz nachhaltiger Forschungsinfrastrukturen. In diesem Kontext kommt Netzwerken wie dem Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) und der Initiative DEGAM-ForNet eine entscheidende Bedeutung zu.
In der abschließenden Sitzung beriet der Beirat über die strategischen Weichenstellungen und die Weiterentwicklung der Initiative DEGAM-ForNet. Die Beiratsmitglieder betonten dabei, wie entscheidend die Verzahnung ambulanter und stationärer Datenräume sowie der Aufbau intersektoraler Forschungsinfrastrukturen für eine bessere medizinische Versorgung sind. Für dieses Vorhaben signalisierte das Gremium seine breite Unterstützung.